Design Thinking ist viel älter als der Hype!?

Durch einen Tweet bin ich gestern auf den Spiekerblog und den Artikel „Durch die Decke denken“ gestoßen. Ich fange mal mit dem Ende an, weil hier nach dem Hype für Design Thinking gefragt wird:

Ist Design Think­ing nur ein Hype? Oder haben wir es mit einer echten Innovations-Management-Innovation zu tun, die eine Weile bleiben und auf der anderes auf­bauen wird?
Die Fähigkeit, kom­plexe Sys­teme und Vorgänge zu visu­al­isieren und damit zu kom­mu­nizieren, prädes­tiniert uns Designer schon immer als Überset­zer zwis­chen der kon­stru­ierten Welt und dem gefühls­ges­teuerten Men­schen (wir sind evo­lu­tion­stech­nisch immer noch Jäger und Samm­ler). Design Think­ing ist viel älter als der Hype, nur der Name ist neu.

Der Auffassung „Design Thinking ist nichts Neues sondern nur ein Modebegriff“ bin ich in verschiedenen Workshops schon häufiger begegnet, geäußert von UX-/IX-Designern,  Produktmanagern und anderen. Woran lässt sich also die Neuartigkeit festmachen?

Zunächst: Die Ursprünge von Design Thinking liegen (je nach Betrachter) einige Jahrzehnte zurück. Ich denke, das Buch „The Science of the Artifical“ (von Herbert A. Simon von 1969) kann als ein Startpunkt gesehen werden. Als Buchtitel jedenfalls taucht „Design Thinking“ nach meiner Recherche zuerst 1987 im Buch von Peter G. Rowe auf. Er beschreibt in dem Buch den Designprozess aus der Sicht eines Städteplaner und Architekten.
So ganz neu ist der Name also nicht, ich denke ein Hype kann nur für die Wieder-/ oder Neuentdeckung des Design Thinking festgestellt werden.

Wenn man schließlich Ansätze des User Centered Design oder Usability Engineering betrachtet, sind diese Vorgehensweisen direkt an der Gestaltung einer (zumeist technischen) Lösung ausgerichtet (zum Beispiel das „usability engineering lifecycle modell“ nach Nielsen 1993, der „Benutzergerechte Software Entwicklungsprozess“ im „Bildschirmarbeitsplatz“ von 1999)

Arbeitsmethoden und -prinzipien des User Centered Design wie beispielsweise frühe Benutzerbeteiligung, iteratives Arbeiten, Testen usw. werden im Design Thinking auch verwendet und stellen keine Neurerung dar. Die Weiterentwicklung von Ansätzen zum User Centered Design durch Design Thinking wird für mich durch vier Punkte deutlich:

  1. Es steht kein spezifisches, zu gestaltendes System im Vordergrund. Erst nach einer gründlichen Analyse von Bewertungsmaßstäben und Anforderungen werden Lösungsansätze erarbeitet.
  2. Es ist erklärtes Ziel, neue Lösungen (auch Kombinationen von Produkt und Service) zu suchen und zu entwickeln.
  3. Das Ergebnis des Design Thinking Vorgehens kann ein prinzipieller Lösungsansatz als „LoFi“-Prototyp (Papierprototyp, Wireframe etc.) sein. Eine Realisierung ist nicht Bestandteil des Design Thinking Vorgehens, er endet mit dem Prototyping.
  4. Es wird für das Design auf ein interdisziplinäres Team gesetzt, in dem Nicht-Designer eine wichtige Rolle spielen.

Gerade für den letzten Punkt möchte ich auch das Eingangszitat hinterfragen. Warum sollten nur Designer die Gestaltungsrolle haben? Ich fand und finde den re:publica XI-Beitrag von Philipp Schäfer sehr treffend. Das Prinzip „Design ist zu wichtig, um es den Designern zu überlassen“ um zu neuen Ideen und Lösungen zu kommen hat sich für mich in der Praxis bewährt.

Ob ein „Hype“ nun berechtig ist oder nicht, halte ich also für nicht entscheidend. Für mich ist Design Thinking der nächste logische Schritt, um benutzerzentrierte Lösungen zu entwickeln.

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